Sex in Venedig 2008
Zwischenmenschliche Ausbeutung - Die Coen-Brüder eröffnen mit ihrem bösen kleinen "Burn After Reading" die 65.Filmfestspiele in Venedig.
Ein paar Fettabsaugungen, eine Lidkorrektur, Silikonbusen, dazu rät ihr der Schönheitschirurg, den sie aufsucht, in dem idiotischen Irrglauben, sie könnte ihre Krankenkasse dazu bringen, in ihr Seelenheil zu investieren.
Sie werde noch mehr trainieren, sagt Linda. An den Oberarmen, sagt der Chirurg und kneift fröhlich in die Speckschicht: "Mit vierzig sagt der Körper dem Fett einfach, es soll da hin." Geld muss her, denn für Linda ist die Generalüberholung alles, was sie noch auf Liebe hoffen lässt - eine zärtlich geschriebene und inszenierte Figur; im Coen-Universum scheinen die meisten zwischenmenschlichen Beziehungen nur der Ausbeutung zu dienen.
Katie Cox (Tilda Swinton) beschließt, ihren Mann Osborne (John Malkovich) abzusägen, weil er bei der CIA rausflog, und ihr Lover Harry (George Clooney) ohnehin besser im Bett ist. Harry verlässt seine Frau und legt sich sofort eine neue Geliebte zu, und dann noch eine - Linda! Was sie an ihm finde, soll Linda erklären. Er versteht, antwortet sie, dass sie unbedingt die Schönheitsoperationen will.
"Burn After Reading" ist einer der leichteren Coenfilme, zugänglich und sparsam mit physischen Brutalitäten - aber so richtig leicht ist das alles auch dann nicht, wenn man drüber lacht, denn absurd komisch ist die Grausamkeit, die Dummheit, die totale Verblendung der Figuren.
Es ist der Abschluss meiner "Trilogie der Trottel", sagt Clooney. Aus dem Herzeleid wird eine Agenten-Sex-Komödie, vom Script vorwärtsgetrieben. Die Coens entwickeln manchmal einen schönen visuellen Stil, wie die künstliche Nacht von "Ladykillers" oder den gleißenden Glamour von "Intolerable Cruelty".
Conclusio: Sex hilft nicht gegen Alles, aber er kann helfen!